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Männer und Wälder sind gleichermaßen vom Aussterben bedroht. Und das nicht erst seit gestern. Zumindest legen diverse Krisenerzählungen diesen Schluss nahe.
Der Wald kämpft gegen zunehmende Gefahren: Dürre und Insektenbefall aufgrund der Klimakrise, Abholzungsorgien in Folge wirtschaftlicher Interessen. Früher war mehr Idylle. Wo soll man denn noch richtig Mann sein, wenn nicht draußen im Wald, einem archaischen Sehnsuchtsort, an dem vermeintlich klare und einfache Gesetze herrschen? Und wie war das nochmal mit dem Mann und dem Baum – pflanzen oder fällen? Während Feminist*innen und Soziolog*innen, Politiker*innen und Pädagog*innen bereits das Ende der hegemonialen Männlichkeit ausgerufen haben, dient einigen gerade der Angriff auf ihre Privilegien als Katalysator für teils groteske, teils brutale Selbstinszenierungen. Offiziell für überkommen erklärte Männlichkeits-Narrative feiern ihre Wiedergeburt als Exzess. Ob in der Figur eines chauvinistischen Horror-Clowns à la Donald Trump oder eines systematischen Vergewaltigers wie Harvey Weinstein, in Gestalt der erfolgreich tourenden Pick-up Artists genauso wie in der Brutalität von männlichen Terrorattentätern, Amokläufern oder sogar Polizisten. Andere ziehen sich zurück – ausgerechnet in den Wald, um im Dickicht der Bäume ihre Männlichkeit zu entdecken oder ihr zu entkommen. „Männer allein im Wald“ seziert Männlichkeitsbilder aus Vergangenheit und Gegenwart, setzt sich in die Kluft zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung und jongliert mit bröckelnden Projektionen.

Text und Regie: Susanne Zaun
Bühne und Kostüme: Mari-Liis Tigasson
Dramaturgie: Larissa Bischoff

Mit Patrick Dollas, Matthias Heße, Emily Klinge, Roman Mucha und Elisa Reining

Premiere (UA): 15. April 2020, Wallzentrum