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Am Todestag ihres Vaters formuliert ein hochschwangeres MĂ€dchen als „SchriftfĂŒhrer des Tages“ ihre Sicht der Welt. Sie hĂ€lt sich fĂŒr einen Jungen und lebt mit dem Vater und dem Bruder in einer Baracke neben dem halb niedergebrannten Herrenhaus der Familie mit der langsam verfaulenden Bibliothek. Hier hat sie sich alleine und ohne RĂŒckbindung an die RealitĂ€t einen Eindruck von der Welt verschafft. Die ErzĂ€hlerin durchquert erstmals den Wald, der diese umgedeutete Welt umfĂ€ngt. Sie platzt mit einem blinden Pferd an Ihrer Seite in eine dörfliche Trauergesellschaft, um eine „Totenkiste“ fĂŒr den Verstorbenen zu kaufen. Dabei steht ihr Mund vor derben FlĂŒchen, barocken Sentenzen und verdrehter Philosophie niemals still und sie erscheint den einen als Kaspar Hauser, den anderen als edle Wilde. Die VerĂ€nderungen ihres Körpers ignoriert die Schwangere bis zur Unausweichlichkeit. Ihre Bekenntnisse sind die Schreckensvision einer Kindheit, geprĂ€gt von Isolation und weltanschaulichem Fanatismus. Die Dorfbewohner brechen zu dem Herrenhaus auf, wo eine Familie von Zivilisationsverweigerern leben soll, die durch BodenschĂ€tze zu unfassbarem Reichtum gelangt ist. Mit einer unberechenbaren Sprache nĂ€hert sich die ErzĂ€hlerin der Wahrheit ihrer eigenen rĂ€tselhaften IdentitĂ€t.

Der Frankokanadier GaĂ©tan Soucy entblĂ€ttert mit tiefschwarzem Witz eine groteske Familientragödie um Tod, Schuldabwehr und die grausame GrĂŒndungserzĂ€hlung der anachronistischen Gemeinschaft. Die unsentimentalen Augen seiner Ich-ErzĂ€hlerin betrachten die moderne Welt im Zerrspiegel der Natur- und Menschheitsideale der Romantik.

Hier finden Sie den Programmfolder der Inszenierung zum Download:
DAS MÄDCHEN_Faltblatt STM web

Inszenierung und Ausstattung Matthias Heße | Dramaturgie Justus Wenke |
Regieassistenz, Abendspielleitung und "Brandschutzbeauftragter" Stefan Eberle

Mit Marieke Kregel

Premiere 2. November 2012, Pulverhaus