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Aktuell

„Ulrich Greb inszeniert Kafkas Roman vieldeutig, aber mit unbedingtem Blick auf die Gegenwart. Gleichsam jeder fassbaren Zeit enthoben, taumelt Josef K. durch ein Gesellschaftssystem, dessen geheimnisvolles Netz aus Instanzen, Zuständigkeiten, Gesetzen und Kontrollorganen undurchschaubar ist. Mit jedem Papierball, der entfaltet wird, wird die Geschichte anders gelesen. Die analoge Papierwüste aus Akten, Anordnungen und Aufzeichnungen, aus der das Ensemble (trainiert vom belgischen Puppenspieler Joost van den Branden) immer größer werdende Fantasie- und Schreckensgestalten aus vergänglichem Papier auferstehen lässt, wird unausgesprochen zum digitalen Speicher mit ewigem Gedächtnis. Bei aller radikalen Ästhetik versucht Greb nicht, eine abschließende Deutung des ohnehin nicht endgültig aufzuschlüsselnden Romans zu liefern. Er lässt Kafka selbst sprechen. Lässt Sätze wirken, die, vor 100 jähren geschrieben, wie ein Peitschenknall ins Heute fahren: „Die Lüge wird zur Weltordnung gemacht“ oder „Man muss nicht alles für wahr halten, man muss es nur für notwendig halten.“ (Wolfgang Platzeck, WAZ)

„Es ist eine großartige Rauminstallation, die Bühnenbildnerin Birgit Angele aus 250.000 Blatt Papier für das Schlosstheater geschaffen hat, geheimnisvoll und bedrohlich zugleich. Denn man weiß nie, was aus den Untiefen des Papierberges doch an die Oberfläche dringen könnte. Greb lässt seine Schauspieler zuweilen wie Marionetten agieren, die vorn übers Papier fallen, wo sie Sekunden reglos liegen bleiben, weil sie niemand mehr lenkt – um dann selbst zu „Puppenspielern“ zu werden. Es sind Objekte aus Papier, die sie zum Leben erwecken: am Stab geführt als geisterhaft schwebendes Fräulein Bürstner zum Beispiel. Die Inszenierung ist wie ein choreografierter Tanz auf dem Papier und ein Kraftakt für die Schauspieler.“ (Anja Katzke, RP)