Pressestimmen #vergissmeinnicht

Pressestimmen #vergissmeinnicht

„Wie menschlich sind solche Wesen? Kann künstliche Intelligenz ein eigenes Bewusstsein entwickeln? Das Thema wird sehr oft behandelt, in Romanen, Filmen, Serien. Braucht es bei dieser Fülle der Auseinandersetzungen noch ein neues Theaterstück?

Ja, denn Sandra Höhne und Ulrich Greb nehmen aktuelle Debatten auf und erzählen eine Geschichte von heutigen Menschen und ihren Emotionen. Sie zeigen eine Familie – Vater, Mutter und zwei Söhne. Sophia, eine Naturwissenschaftlerin, wird sterben und soll durch ein künstliches Wesen ersetzt werden. Das Stück „#vergissmeinnicht“ zeigt einen ganz rationalen Versuch, die Veränderung, die der Tod mit sich bringt, zu umgehen. Das Leben soll weiterlaufen, der Übergang vom echten Menschen zum humanoiden Androiden kaum spürbar sein.

Regisseur Ulrich Greb hält die Aufführung in der Schwebe zwischen Ernst und Komik, ebenso zwischen Wirklichkeitsnähe und Fantasie. Das Ensemble spielt psychologisch und nachvollziehbar in einer surrealen Atmosphäre. Die Schränke dienen als Auf- und Abtritte, manche Szenen berühren die Grenze zur Groteske ohne die Bodenhaftung zu verlieren. Die Mischung aus Komik und Beklemmung ist typisch für das Theater von Ulrich Greb. Bei aller Spielfreude und Theaterlust bleibt immer klar, dass es um existentielle Dinge geht. „#vergissmeinnicht“ ist nicht in erster Linie ein Gedankenspiel mit den wissenschaftlichen Möglichkeiten. Es geht im Kern um den Tod als eines der letzten Tabus, um die Unfähigkeit, das Sterben zu akzeptieren. Wer im Dauerstress der Selbstoptimierung lebt, kann den Verlust eines geliebten Menschen nur als ungeheuerliche Provokation begreifen.“

Stefan Keim, Theater der Zeit

„Die Inszenierung behandelt zunächst zeitlose existentielle Fragen. Es geht um den Tod, um das Sterben als Prozess und um den Gedanken an eine vielleicht gar nicht erstrebenswerte (physische) Unsterblichkeit, es geht um die Empfindungswelten der Hinterbliebenen. Doch darüber hinaus hat das Stück, das ein ernstes Thema in überwältigend humorvollen, grotesken Szenen entfaltet, eine nicht vorhersehbare Aktualität erfahren. Anfang des Jahres kamen – Stichwort Chat GPT – öffentliche und wissenschaftliche Diskussionen über jüngste Durchbrüche bei der Entwicklung künstlicher Intelligenz auf. Schon Birgit Angeles geniales Bühnenbild konfrontiert die Zuschauer mit einer digitalen Welt. (…) Die Begeisterung des Publikums war dagegen ganz real.“

Wolfgang Platzeck, Westdeutsche Allgemeine Zeitung

„Ein Hashtag wird in der digitalen Kommunikation eingesetzt, um Aufmerksamkeit zu erzeugen für ein bestimmtes Thema. In diesem Fall für Künstliche Intelligenz im Zusammenhang mit existentiellen Fragen, wie Tod, Sterben und Trauerarbeit. Diese Trauerarbeit kennen wir bisher so, dass man sich an gestorbene Familienmitglieder erinnert, indem man ans Grab geht und vielleicht fiktiv mit ihnen redet. In dem hier vorliegenden Gedankenspiel kann man ein gestorbenes Familienmitglied als Klon weiterleben lassen. Es ist eine nachdenkliche, groteske, aber originelle Inszenierung über Künstliche Intelligenz. Ein anregender Abend.“

Martin Burkert, WDR 5, Scala

Mit der Inszenierung „#vergissmeinnicht“ bringt das Schlosstheater eine berührende Auseinandersetzung mit Tod und Trauer auf die Bühne und ist dabei der digitalen Unsterblichkeit auf der Spur.

In einem sehr konzentrierten Kammerspiel fordert der Regisseur sein Publikum heraus, den Vorhang des surreal anmutenden Bühnenspiels beiseite zu schieben und sich damit auseinanderzusetzen, wie wir selbst mit Tod und Trauer umgehen: mit der Angst vor dem Sterben, mit der gesellschaftliche Diskussion über Sterbehilfe und Suizid sowie dem digitalen Nutzen als Erinnerungsort. „Eterni:me“, gespielt von Emily Klinge, bringt nüchtern das auf den Punkt, was wir im Alltag zu verdrängen versuchen: „Alle Menschen sind Sterbende.“ Greb, der mit Dramaturgin Sandra Höhne die Textfassung für „#vergissmeinnicht“ entwickelt hat, erzählt die Geschichte einer Familie, die diese Krise nicht zu meistern weiß. Mutter Sophia, eindringlich von Joanne Gläsel mal abweisend, mal Nähe suchend gespielt, ist schwer erkrankt und sieht sich mit dem eigenen Tod konfrontiert. Sie möchte selbstbestimmt sterben, erfährt aber nur Sprachlosigkeit.

Die Inszenierung, die auf die psychologische Entwicklung der Figuren setzt, berührt und bewegt, ohne rührselig zu werden. Und sie hat am Ende eine klare Botschaft: Virtuelle Realität ist nicht die Lösung. Man muss den Trauerprozess zulassen.“

Anja Katzke, Rheinische Post

 

 

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