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Spielzeit 2022 | 2023

Über Menschen von Juli Zeh

BÜHNENFASSUNG VON ULRICH GREB UND VIOLA KÖSTER

Termin

Samstag, 03.09.2022 | 19.30 Uhr

Spieldauer

ca. 02:00 Std.

Spielort

Schloss

Preis

19,50 € pro Person
erm. 7 € pro Person

Kategorie

Beschreibung

Dora, Großstädterin und Geschichtenerfinderin in einer Berliner PR-Agentur ist mit Robert zusammen, der sich im Laufe der Pandemie als fundamentalistischer Kämpfer, gleichermaßen gegen den Klimawandel als auch gegen das Virus, entpuppt. Dora wird es zu eng in ihrer gemeinsamen Wohnung und so flieht sie zusammen mit ihrem Hund Jochen nach Bracken, einem Dorf in Brandenburg. Zwischen Saatkartoffeln und Homeoffice lernt sie ihren Nachbarn Gote kennen, der sich selbst als Dorfnazi vorstellt und nicht nur ein Menschenleben
auf dem Gewissen hat. Trotzdem entsteht eine Freundschaft zwischen Dora und Gote über alle ideologischen Gräben und Vorurteile hinweg.

Geht das? Darf man das? Oder muss man sogar mit „Rechten reden“? Wo verläuft die Grenze zwischen nachbarschaftlichem Arrangement und gefährlicher Liebschaft? Zwischen Toleranz und Verharmlosung? Und warum lässt Dora sich eigentlich auf Gote ein?

Juli Zeh, Bestsellerautorin und ehrenamtliche Richterin am Verfassungsgericht in Brandenburg, lebt selbst in einem Dorf und weiß um die Konfliktlinien, die sich auftun ebenso, wie um diejenigen, die verschwinden, wenn man die „Anderen“nicht mehr nur aus der Ferne beurteilt, sondern mit ihnen in nächster Nähe zusammenlebt. Nach „UnterLeuten“ hat sie mit „Über Menschen“ einen Roman geschrieben, der unsere direkte, pandemie- und krisengeschüttelte Gegenwart daraufhin ausleuchtet, wie sich Klassismus und Rassismus zu einem bedenklichen Gemisch vereinigen, das längst die sogenannte „Mitte der Gesellschaft“ erreicht hat.

Auf erfrischend provokative Weise fordert „Über Menschen“ dazu heraus, die eigenen ideologischen Wohlfühlzonen zu hinterfragen und darüber nachzudenken, wie sich der zwischenmenschliche Faden vielleicht wieder aufnehmen lässt, um ein Netz damit zu stricken, das die Vielen hält, auch unfeine Unterschiede aushält und die, die es brauchen, auffängt. Denn, wie es die Autorin schreibt: „Mit ein paar Leuten ist alles leicht. Das ist es, was ihr vergessen habt.“

In der Regie von Ulrich Greb lotet das Ensemble des Schlosstheaters die Grenzen des Sangbaren und Machbaren aus, balanciert auf ihnen und kippt ins Menschliche. Im Setting einer Werbeagentur fallen die Spieler*innen zunehmend auf ihre eigenen reißerischen Slogans herein…

Im Anschluss an jede Vorstellung besteht das Angebot zum Gespräch mit dem Team & Ensemble des STM. 

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Galerie

Fotograf/in: Jakob Studnar

Programmheft

Hier können Sie das Programmheft von „Über Menschen“ als PDF-Datei herunterladen.

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Pressestimmen

„Die Zuschauer sitzen an zwei Seiten um die Spielfläche, auf der sechs Tische zusammen geschoben sind. Um die herum wirbeln die fünf Akteure, die das Team einer Werbeagentur darstellen, das für eine neue Öko-Jeans werben soll und mit einem fiktiven brandenburgischen Dorf spielt und mit dem Markennamen „Gutmensch!“ Stetes Mitdenken ist gefordert. Ein 90-Minüter mit pausenlosem Textfluss und eingestreuten Actionszenen, in denen vom Sitzhocker-Rennen rings um den Agenturtisch bis hin zum Einsatz von Theaterblut und vor allem schwarzer Farbe viele Register gezogen werden für einen fordernden Theaterabend. Das Schauspielerquintett ist oft als Techniker mit Laptop, Kamera und Licht gefragt, um teilweise sehr poetische, spannende Bildsequenz auf die weißen Wände links und rechts der Bühne zu projizieren
(Stephan Hermsen, NRZ)

 

 

„Es geht um die Sehnsucht nach dem großen Wir über politische Grenzen hinweg und um die Frage: Darf man mit Radikalen reden? Mit Rechten kooperieren? Wie weit darf Toleranz gehen? Greb kürzt den Schluss des Romans radikal ein und lässt wesentliche Teile des Endes weg. So entgeht er der Gefahr der Solidarisierung mit einzelnen Figuren. Er will die Antworten auf die o. a. Fragen seinem Publikum nicht vorgeben, sondern mit ihm diskutieren. Die Inszenierung setzt aber von Anfang an deutliche Zeichen. Hochspannend und intellektuell herausragend.“
(Dietmar Zimmermann, theater:pur)

 

 

 

 

„Der Einsatz von Multimedia, im Theater nicht neu, aber hier auf die Spitze getrieben. Die Akteure filmen, montieren und schneiden die Filmhandlung direkt live auf der Bühne. Aufwendig mit Animation, Modellen und Mehrfachbelichtung. Haltung zeigen und gleichzeitig offen bleiben für Gespräche. Wie umgehen mit Grenzüberschreitungen der Rechten? Gewalt gegen Andersdenkende lässt sich nicht einfach mit Nachbarschaftsgesprächen am Gartenzaun weglächeln.“ (Christof Boy, WDR Westart)

 

 

„Wie in einer überdrehten Leseprobe nimmt das Schlosstheater den Romantext, wirfst sich die Sätze zu und schnappt Wörter auf, die geeignet erscheinen, die Bilder eines Werbespots für „Bracken, Brandenburg“ zu unterlegen. Auf den Zeichentischen in der Bühnenmitte werden dabei die Bilder des Clips gebaut und an die Schlosswände geworfen. Es ist schon atemberaubend, was die redenden, spielenden, drehstuhlscatenden und sich dabei filmenden fünf Darsteller alles leisten, dreimal so groß ist das Team hinter den Kulissen.
(Thomas Warnecke, Extratipp am Sonntag)

 

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