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Liebe Freundinnen und Freunde des Schlosstheaters, liebes Publikum,

„Wer Freiheit für Sicherheit aufgibt, wird am Ende beides verlieren.“ Diese warnenden Worte von Benjamin Franklin aus dem Jahr 1775 haben nichts von ihrer Aktualität verloren. Sicherheit und Freiheit – dieses Spannungsverhältnis steht im Zentrum unserer nächsten Spielzeit. Unter dem Motto „man trifft sich“ gehen wir unter dem Eindruck der NSA-Enthüllungen der Frage nach, was uns veranlasst, zunehmend auf Jahrhunderte lang erkämpfte Grundrechte und individuelle Freiheiten zu verzichten. Die Volkszählung von 1987 löste noch Massenproteste aus, heute überlassen wir freiwillig dem Staat unsere Fingerabdrücke und veröffentlichen unsere persönlichen Daten im Internet. Die Logik der Bedrohung unseres Rechtsstaats ist dabei offenbar so schlüssig und alternativlos, dass wir zur Sicherung der demokratischen Grundrechte die Beschränkung unserer persönlichen Freiheit und Privatsphäre in Kauf nehmen. Die Autorin Juli Zeh fasste dieses Dilemma pointiert zusammen: „Kann man ein Wertesystem verteidigen, indem man es abschafft?“

Den möglichen Auswirkungen dieses Dilemmas spürt die erste Produktion der Spielzeit in Form einer bitter-komischen Revue nach. „The only thing that stops a bad guy with a gun is a good guy with a gun“ zeigt, was passiert, wenn der Staat seinen Bürgern misstraut, wenn er plötzlich im Wohnzimmer sitzt und Teil der Familie wird. Bühnenbildnerin Birgit Angele lässt dazu auf der Bühne ein Einfamilienhaus entstehen. Für den nötigen musikalischen Druck sorgt der Oberhausener Musiker Otto Beatus mit seiner Rockband. Mit dieser ersten Premiere der Spielzeit zelebrieren wir auch einen neuen Veranstaltungsort für Kultur in Moers – die Festivalhalle.

Wie das Bedürfnis nach Sicherheit umschlagen kann in paranoide Angst, damit spielt das Stück „Im Ausnahmezustand“ von Falk Richter. Die elsässische Regisseurin Catherine Umbdenstock inszeniert das Kammerspiel um eine Familie auf dem Gipfel des angestrebten Glücks. Sozial und finanziell abgesichert lebt sie in einer „Gated Community“, die alles Unangenehme durch einen Zaun von seinen Bewohnern fernhält – bis auf die Angst, den privilegierten Status zu verlieren.

Von einem mutigen und selbstbewussten kleinen Mädchen erzählt das diesjährige Kinderstück. Im Märchen „Die Schneekönigin“ von Hans Christian Andersen sucht sie ihren von der Schneekönigin entführten Spielkameraden und begibt sich auf eine abenteuerliche Reise. Susanne Zaun übernimmt nach „Don Quijote“ wieder Textfassung und Regie, Mamoru Iriguchi die Ausstattung.

Big brother is watching you! 66 Jahre nach der Entstehung des Romans „1984“ von George Orwell, 30 Jahre nach der wohl bekanntesten Jahreszahl der Literaturgeschichte untersucht die Inszenierung, wieviele Prognosen der Orwellschen Fiktion eines Präventions- und Überwachungsstaats schon Realität geworden sind.

„Amphitryon“ von Heinrich von Kleist trägt den Sicherheitsgedanken schließlich in die Körper der Spielfiguren. Amphitryon ist wörtlich der, den es zweimal gibt. Diese Doppelung nimmt den Figuren ihre Selbstgewissheit und stürzt sie in turbulente und tragikomische Identitätskrisen. Für die Inszenierung ist mit dem Regisseur Matthias Schönfeldt ein weiterer Neuzugang am Schlosstheater Moers zu Gast.

Im Frühjahr 2015 erwartet uns dann noch ein Jubiläum: Das Schlosstheater Moers wird 40! Dass das Theater bislang allen Stürmen trotzen und sich dabei immer weiter entwickeln konnte, verdanken wir vor allem Ihnen, unserem Publikum. Und das wollen wir gemeinsam mit Ihnen und dank der tatkräftigen Unterstützung der „Freunde des Schlosstheaters“ gebührend feiern.
In diesem Sinne: Treffen wir uns: Im Theater.

Ulrich Greb, Intendant