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Die Geschichte der sechszehnj√§hrigen Musikertochter Luise Miller, die das t√∂dliche Opfer einer Hofintrige wird, hat seit 243 Jahren nichts von ihrer Faszination verloren. Nicht zuletzt liegt das an Schillers Sprachgewalt: Im hohen Stil, mal pathetisch exaltiert, mal derbe, werden die Figuren in einem Parforceritt durch die Abgr√ľnde des Absolutismus getrieben, der sich aus Unterdr√ľckung, Ausbeutung, Korruption, Intrigen und skrupellosem Machtkalk√ľl zusammensetzt. Denn auch wenn Luises Vater Miller der Hofgesellschaft mit religi√∂sen und moralischen Argumenten entgegentritt, ist sein b√ľrgerliches Ideal von Familie selbst zutiefst fundamentalistisch.
Und dann noch das Ding mit der Liebe! Das ‚ÄěHerz‚Äú als Zentrum von Gef√ľhl und Empfindung ist dem St√ľck allein 270 Mal leitmotivisch eingeschrieben. Die Idee der romantischen Liebe erhebt Schiller zum ideologischen Kampfbegriff gegen gesellschaftliche und religi√∂se Zw√§nge. Doch sie stiftet kein Gl√ľck, sondern dient nur als weitere Projektionsfl√§che f√ľr asymmetrische Beziehungen. Heute tr√§gt die moderne Rationalisierung der Leidenschaftund die √Ėkonomisierung aller Lebensbereiche nicht unbedingt zu einer Renaissance des romantischen Liebesmodells bei. Vielleicht er√∂ffnet die zeitliche Distanz aber auch einen neuen Blick auf die Liebe als ‚Äěsoziale Grundlage des Selbst‚Äú (Eva Illouz), ohne dass es am Ende das obligatorische Frauenopfer geben muss.

Inszenierung Ulrich Greb
B√ľhne Birgit Angele
Kost√ľme Kathi Maurer