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Aktuell

Schauspieler Roman Mucha bewegt sich in einem Bungeseil durch den Raum, springt´, gleitet über den Boden, den er mit Kreide vollkritzelt. Die Kapelle, in der das schauende Dutzend auf zwei Etagen sitzt, ist ein perfektes Bühnenbild für die Geschichte über den Schriftsteller Jakob Michael Reinhold Lenz, der im Gebirge beim Pfarrer Oberlin gegen den Wahnsinn kämpft – und ihm manchmal lustvoll erliegt. Begleitet wird der akrobatische und über 90 Minuten hoch konzentrierte Roman Mucha von der Percussionistin Mariá Portugal. Mit mal sanft, mal brutalen Rhythmen, merkwürdigen Geräuschen und am Schluss auch leise summend, begleitet sie Büchners Lenz. Zwischendurch tönen Ausschnitte aus Ludwig Wittgensteins Tractatus Logico Philosophicus vom Band – ein reizvoller Kontrast.
(Stefan Keim, Deutschlandfunk Kultur)

 

Intendant Ulrich Greb hat den Prosatext als Solo für zwei inszeniert. Den grabschwarzen kleinen Kapellenraum regieren Roman Mucha als Schauspieler und Moers’ „Improviserin in Residence 2020“ Mariá Portugal am Schlagzeug – und per Stimme. Portugal ist geisterhaftes Echo, schafft geräuschige Seelen-Perkussion und unheimlichen Sirenengesang. Mucha: berauschend gut, weil er diesem Abgrund von Mensch wirklich alle Farben abzuringen versteht. Und wie er Brüche und Wendungen meistert! Anfangs noch ganz vital, ein rosig-druckvoller Conférencier fast, mit schönen gletscherblauen Augen, der uns verführt, einzusteigen in diesen Express von Wahn und Weltflucht. Dann Verzweiflung, flüchtiges Glück, panische Gottverlassenheit: All das treibt Roman Muchas famoses Spiel, das nicht zuletzt von seiner exquisiten Sprechkultur zehrt, auf einen nie eitlen Gipfel.
(Lars von der Gönna, WAZ)

 

Die Inszenierung nutzt intensiv, aber nie äußerlich die Mittel, verbindet sie dabei durchgehend mit dem Text. Mucha hält fast akrobatische Bewegung und sprachliche Durchdringung der Vorlage bemerkenswert im Gleichgewicht. Er spricht über einen leidenden Lenz, verwandelt sich nicht ihn, bildet ihn aber einfühlsam ab. Der Textvorlage verbunden gelingen der Inszenierung subtile Verbindungslinien in unsere Gegenwart. Ohne oberflächliche Anspielungen verfolgen wir in Krisenzeiten die Krise eines freien Menschen. Die theatrale Anstalt in Moers schafft damit quantitativ minimiert, energetisch und gedanklich aber völlig überzeugend ein starkes Lebenszeichen für eine Kunst aus Körper, Stimme und Zusammenspiel von Bühnenakteuren und Publikum.
(Detlev Baur, Die Deutsche Bühne)