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Das Podium der "Kulturpolitischen Matinee"

Foto: Helmut Berns

Stellungnahme des Vereins Freunde des Schlosstheaters zu den Kürzungsvorschlägen der Stadt Moers

Erklärung im Rahmen der "Kulturpolitischen Matinee" am 21. Februar 2010:

Ich sitze heute hier als Vorsitzender des Vereins „Freunde des Schlosstheaters“. Der Verein repräsentiert das bürgerschaftliche Engagement für das wohl kleinste „Stadttheater“  in Deutschland. Und dies im 15. Jahr seit der Gründung des Vereines im Jahre 1996. Auch damals gab es aus finanziellen Erwägungen der Stadtverwaltung heraus Anlass sich für das Theater in die öffentliche Diskussion einzubringen. Dabei ging und geht es dem Verein in erster Linie darum auf die Bedeutung und die kulturelle Leistung des Theaters hinzuweisen. Und ihm beizustehen, wenn es – wie aktuell – in seiner Existenz bedroht ist.

Zusätzlich unterstützen wir finanziell besondere Projekte oder Ausstattungen, die üblicherweise nicht aus dem Etat des Theaters bezahlt werden können. Beispiele aus der Vergangenheit sind:

- Die Produktion der Billie-Holliday-CD mit Eva Müller und Tim Isfort
- Das Filmprojekt zu der außergewöhnlichen Produktion „Hotel Europa“ im Moerser Hafthaus
- oder die übergroßen Masken für das Stück „Antigone“ , das hier in der Theaterhalle aufgeführt wurde.

 

Schon  die Erwähnung dieser nur 3  Beispiele zeigt gleichzeitig die Vielfalt und Spannweite des künstlerischen  Engagement und handwerklichen Könnens unseres Ensembles unter der Leitung von Ulrich Greb.

Eigentlich war der heutige Morgen dazu vorgesehen dass wir uns hier an diesem Ort gemeinsam inhaltlich auf die am Samstag stattfindende Premiere unseres Moerser Beitrages der „Odyssee Europa“ mit dem Titel „PERIKIZI - Ein Traumspiel“ einstimmen. Dabei handelt es sich um DAS! Renomee-Projekt von mehreren Schauspielhäusern. 6 jeweils eigene Stücke werden an 6 Theatern inszeniert - Moers ist dabei! Nun hat uns die Stadtverwaltung mit ihren Sparvorschlägen im Kulturbereich und insbesondere im Theater, die am vorletzten Mittwoch öffentlich gemacht wurden, einen „Strich durch die Rechnung“ gemacht. Ich hoffe wir finden noch an anderer Stelle zu anderer Zeit Gelegenheit uns mit dem Stück auseinanderzusetzen und es zu würdigen.

Die öffentliche Wirkung landauf- landab der Vorschläge der Verwaltung und ihre zeitliche Nähe  zum Start der Odyssee Europa ( an kommenden Wochenende an 6 Theatern in NRW ) irritiert und hat das kulturpolitisch bundesweit positive Image unserer Stadt nicht gerade gefördert. In meiner Vorbereitung zur heutigen Veranstaltungen habe ich mir aus gegebenem Anlass die Einwohnerstatistik der Großstädte Deutschlands angeschaut. Als Großstadt gilt man ab einer Einwohnerzahl von mehr als 100.000. Von den insgesamt 11513 Städten und Gemeinden in Deutschland (Stand: Januar 2010) sind demnach 81 Großstädte. Moers liegt mit über 106.000 auf Platz 71-noch vor Städten wie: Koblenz, Erlangen, Trier, Jena, Cottbus oder Gera. Somit steht fest: Wir sind Großstadt! Übrigens haben fast alle Großstädte mindestens ein Theater. Wir sollten uns dessen bewusst sein und dies bei der nun stattfindenden öffentlichen Diskussion  auch entsprechend berücksichtigen.

Von Martin Luther stammt der Satz:

„Aus einem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz“

Umgemünzt auf unsere aktuelle Situation will ich damit sagen: Lassen sie uns die öffentliche Diskussion unverzagt, selbstbewusst und mit Freude an der Auseinandersetzung führen. Dabei ist der Standpunkt der „Freunde des Schlosstheaters“ klar: Das Schlosstheater ist und bleibt, wie auch die anderen kulturellen Einrichtungen in Moers ( VHS, Musikschule, Museum, Bibliothek und das Moers-Festival) ein Teil der kulturellen Daseinsvorsorge in Moers.

Bei der Betrachtung der aktuellen Situation muss aus meiner Sicht auch der Blick auf die Ursache der Haushaltslage der Kommunen gerichtet werden. In der „ Welt „vom 2.2. waren folgende Zahlen zu lesen: „Von einem Plus von 7.5 Milliarden Euro noch 2008 rutschten die Kommunalfinanzen 2009 in ein Minus von 4.5 Milliarden Euro. Und in diesem Jahr erwarten die Kommunen gar ein Rekordfinanzierungsloch von 12 Milliarden Euro. Kommt es so, wäre dies für die Kommunen „der schlimmste Einbruch der Nachkriegsgeschichte“, so Roth ( Bürgermeisterin in Frankfurt am Main - CDU ).“ Ausgelöst durch die Krise an den Finanzmärkten, verursacht durch Banken und deren Manager, sind massive Steuereinbrüche auf allen staatlichen Ebenen – Bund, Land und Kommunen- eingetreten.

Wir haben es also in erster Linie mit einem Einnahmeproblem und nicht einem Ausgabeproblem zu tun! Es gilt die kommunalen Finanzeinnahmen auf eine solide , verlässliche und planbare Basis zu stellen! Kultur muss als Staatsziel und  als gesetzliche Aufgabe festgeschrieben werden!

Begründet  mit einem fragwürdigen Freiheitsbegriff wurden unter dem Stichwort Deregulierung selbst bestehende Regeln auf den Finanzmärkten außer Kraft gesetzt. Dabei wussten und wissen wir doch genau: Im Zusammenleben einer demokratischen Gesellschaft kann es keine Freiheit ohne Regeln geben. Freiheit ohne Ordnung funktioniert nicht. Dies hat sich an den Finanzmärkten bestätigt. Die Konsequenz kann nur darin bestehen Regeln zu vereinbaren, um Krisen diesen Ausmaßes zu verhindern!

Dieses hochaktuelle Thema wurde übrigens auch von unseren Schlosstheater aufgegriffen. Was mit dem Gemeinwesen und den Menschen passiert, wenn sich die Ordnung auflöst konnten wir uns in der aktuellen Inszenierung „König Lear“ von Shakespeare – eine Regiearbeit von Ulrich Greb - anschauen. Dies ist in der Tat „Ein Stück zur Krise“ , wie es in einer überregionalen Zeitung stand. Aus dem gleichen Grund steht König Lear auch in 3 weiteren Theatern in NRW auf dem aktuellen Spielplan. Damit ist unser Theater wieder einmal „brandaktuell“. Es bringt wichtige Themen auf die Bühne und damit in die Stadt! Es lädt zum Nachdenken ein und regt uns auch zur Auseinandersetzung an.

Das Schlosstheater kommt seinem Bildungsauftrag in bemerkenswerter nicht nur mit dieser Inszenierung nach: Das Schlosstheater hat mit seinem Motto: “Das Theater in die Stadt und die Stadt ins Theater“ in den Vergangenen Jahren eine weit reichende Vernetzung und Öffnung in die Stadt hinein erzielt und mit zahlreichen Projekten und Initiativen alle möglichen Gruppen in Moers angesprochen und einbezogen: Die Arbeit der Theaterwerkstatt erreicht eine große Zahl von Kindern, Jugendlichen und Schülern in Moers. Vielfach ausgezeichnete Kampagnen zu Themen wie Demenz oder Armut machen aufmerksam auf soziale und politische Probleme und Tabus in unserer Gesellschaft. Das Projekt „Hotel Europa“ im alten Moerser Hafthaus richtete sich nicht zuletzt an Menschen mit Migrationshintergrund in Moers.

Der Grad der Vernetzung des Schlosstheaters ist hoch, es bestehen Kooperationen mit nahezu allen wichtigen Einrichtungen der Stadt, beispielsweise mit den Schulen, den Kindergärten und Vielen mehr. Das Schlosstheater trägt mit seiner Arbeit unbestritten zum informierten, aufgeklärten, eben dem gebildeten Staatbürger bei. Ohne diesen wird unser demokratisches Staatwesen keine Zukunft haben, davon bin ich zutiefst überzeugt.

Helfen sie mit, liebe Zuhörer,  unsere in den letzten Jahrzehnten erschaffenen öffentlichen, dem Gemeinwohl verpflichteten Kultureinrichtungen in Moers zu erhalten. Letztendlich „gehören“ sie uns Allen und sind für Jedermann zugänglich. Unterstützen sie uns mit Ihrer Unterschrift unter die hier erstmals ausliegende Resolution an den Bürgermeister der Stadt Moers mit der Überschrift: „Das Schlosstheater muss bleiben!“ Zeigen sie ihre Verbundenheit mit dem Theater und dem Ensemble und besuchen sie zahlreich die kommenden Vorstellungen.

Danke für ihre  Aufmerksamkeit.
Bernhard Scheid
Vorsitzender

Sie wollen den Kahlschlag in der Moerser Kulturlandschaft verhindern? Schließen Sie sich dem Appell an. Hier finden Sie die Resolution mit Unterschriftenliste als PDF-Datei zum Herunterladen. Einfach ausdrucken und ausfüllen und bis 21. März abgeben.

Resolution_STM_20100221.pdf

Stellungnahme_der_Freunde-21_02_2010.pdf

Dr. Jürgen Schmude, Vorstandsmitglied der "Freunde des Schlosstheater Moers e.V.", im Rahmen der "Kulturpolitischen Matinee"

Foto: Helmut Berns

Das Schlosstheater muss bleiben!

Appell des Schlosstheaters Moers und der Freunde des Schlosstheaters Moers e.V. für den Erhalt der kulturellen und sozialen Vielfalt in der Stadt Moers

Die Städte und Kommunen in NRW stecken derzeit in einer historischen Krise. Auch die Stadt Moers ist hoch verschuldet. Mit den Sparvorschlägen, die der Kämmerer dem Rat der Stadt Moers vorgelegt hat, um ein Haushaltssicherungskonzept einzuleiten, sind zahlreiche kulturelle und soziale Einrichtungen sowie Festivals in Moers von der Schließung bedroht. Sollten die Vorschläge des Kämmerers in die Tat umgesetzt werden, ist der Spielbetrieb des Schlosstheaters bereits ab Sommer 2010 gefährdet und muss ab 2011 ganz eingestellt werden. Ähnlich wie Wuppertal, Oberhausen und viele andere Städte in NRW ist damit auch Moers vom kulturellen und sozialen Kahlschlag bedroht. Die drohende Schließung des Schloss­theaters und anderer wichtiger Kultur- und Sozial-Einrichtungen würde zu einer Verödung des Klimas in der Stadt führen, die wir alarmierend finden.

Das Schlosstheater hat mit seinem Motto „Das Theater in die Stadt und die Stadt ins Theater“ in den vergangenen Jahren eine weit reichende Vernetzung und Öffnung in die Stadt hinein erzielt und mit zahlreichen Projekten und Initiativen alle möglichen Gruppen in Moers ange­sprochen und einbezogen: Die Arbeit der Theaterwerkstatt erreicht eine große Zahl von Kindern, Jugendlichen und Schülern in Moers. Vielfach ausgezeichnete Kampagnen zu Themen wie Demenz oder Armut machen aufmerksam auf soziale und politische Probleme und Tabus in unserer Gesellschaft. Das Projekt „Hotel Europa“ im alten Moerser Hafthaus richtete sich nicht zuletzt an Menschen mit Migrationshintergrund in Moers. Und Initiativen wie die „Große Tafel“ generieren einen Dialograum für alle Gruppen der Stadt und ihren Austausch. Der Grad der Vernetzung des Schlosstheaters ist hoch, es bestehen Kooperationen mit nahezu allen wichtigen Einrichtungen der Stadt, beispielsweise mit den Schulen, den Kindergärten und Kindertagesstätten, dem Jugendzentrum Zoff, dem Fachdienst Jugend der Stadt Moers, dem moers festival, dem Comedy Arts Festival, dem Kulturbüro der Stadt Moers, dem Grafschafter Museum, dem Kunstverein Peschkenhaus Moers e.V., der Moerser Musikschule, dem Kulturzentrum Bollwerk 107, dem SEEWERK, der VHS Moers, der Bibliothek Moers, dem Evangelischen Forum – Kirchenkreis Moers, den Kirchen, der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, den Sozialverbänden – dem PARITÄT­ischen Wohlfahrtsverband, der AWO Kreis Wesel, dem Diakonischen Werk, dem Caritas­verband Moers-Xanten e.V. – Kirchenkreis Moers, der SCI moers gGmbH –, der Sparkasse am Niederrhein, der JVA Moers Kapellen, der Unteren Denkmalbehörde, dem Fachbereich Grünflächen der Stadt Moers, dem Bunten Tisch Moers e.V., dem Erinnern für die Zukunft e.V., der „Bilanz“ Theatergruppe Moers, amnesty international, WIM – Wir in Meerbeck, der Kulturoffensive Moers,  der Beratungsstelle Flucht und Migration der evangelischen Ge­meinden Moers, der Moerser Tafel e.V., dem MALZ – Moerser Arbeitslosenzentrum e.V., dem DGB – Deutscher Gewerkschaftsbund Ortsverband Moers, dem Rudolf-Schloer-Stift, der Neuen Arbeit Niederrhein e.V., dem Institut für Maßnahmen zur Förderung der beruflichen und sozialen Eingliederung e.V. (IMBSE), dem Seniorenzentrum Moers Schwafheim, uvm.

Diese Form der Vernetzung, Kooperation und Solidarität ist wesentlicher Bestandteil unseres Selbstverständnisses und des Verständnisses einer funktionierenden Stadtkultur. Daher fordern wir gerade in Zeiten der Krise:

-       die kulturellen und sozialen Einrichtungen der Stadt nicht kaputt zu sparen, sondern mit ihren Leitern über ein maßvolles Konzept zu verhandeln. Auch uns ist klar, dass jeder seinen Beitrag zur Überwindung der Krise leisten muss, doch genauso klar ist, dass die Gefährdung der Einrichtungen der Stadt nicht weiter hilft. Denn dabei kommt nicht im Mindesten genug Geld zusammen, um die finanzielle Misere zu beheben. Dafür würde das Klima des Zusammenlebens in unserer Stadt stark gestört und die Lebensqualität stark gemindert.

-       die verschiedenen Einrichtungen und Interessensgruppen nicht gegeneinander auszuspielen. Moers braucht Kultur und Sport, Wirtschaft und Soziales. Wir rufen die Kultur- und Sozial-Einrichtungen der Stadt zu einem Schulterschluss auf, um gemeinsam den Kahlschlag zu verhindern.

-       dass Bund und Land sich in die Strukturkrise der Städte und Kommunen einbringen, weil diese nicht von den Kommunen allein zu bewältigen ist.

Das Ensemble des Schlosstheaters Moers und der Vorstand der Freunde des Schlosstheaters Moers e.V. rufen die Fördervereine und Freundesvereine der städtischen Kultureinrichtungen, die Akteure in der freien Kulturszene, die Engagierten in den Sozialverbänden und Sportvereinen auf, sich aktiv in die Debatte über die kulturelle und soziale Vitalität unserer Stadt einzumischen und für den Erhalt der kulturellen, sozialen und sportlichen Infrastruktur in Moers einzutreten.

Der Bürgermeister und der Rat der Stadt Moers werden aufgefordert, mit den Verantwortlichen in der Kultur-, Sport- und Sozialarbeit in einen Dialog über maßvolle Konsolidierungskonzepte zu treten.

Resolution des Schlosstheaters Moers und der Freunde des Schlosstheaters Moers e.V. zur Überreichung an den Bürgermeister der Stadt Moers - Moers, 21. Februar 2010