Liebe Theaterfreundinnen und -freunde,
die Finanzkrise ist auch in Moers angekommen und mitten im Kulturhauptstadtjahr Ruhr.2010 stand für einige Monate die Zukunft des Theaters zur Disposition. Das Schlosstheater hat dessen ungeachtet auch in der vergangenen Spielzeit ein großes und vielbeachtetes künstlerisches und theaterpädagogisches Programm angeboten, seine Netzwerke weiter ausgebaut und die unterschiedlichsten Schichten der Moerser Bevölkerung angesprochen.
Der Zuspruch, den das Theater angesichts der Krise erhalten hat, war enorm. Fast 8.000 Unterschriften konnten in kurzer Zeit gegen die drohende Schließung gesammelt werden. In verschiedenen Veran- staltungen, in denen der Schulterschluss des Theaters mit den anderen Sozial- und Kultureinrichtungen der Stadt deutlich wurde, waren die Solidaritätsbekenntnisse so weit reichend, dass das Motto für die kommen- de Spielzeit nun „ Schöne Aussichten“ heißt – ein Versprechen, inhaltlich so stark, relevant, kritisch und publikumsbezogen weiter zu arbeiten, dass Moers ohne das Schlosstheater nicht denkbar ist.
Am 30. Juni 2010 wurde dann im Rat der Stadt Moers ein vom Schlosstheater vorgeschlagenes maßvolles Konsolidierungskonzept beschlossen, das mit Unterstützung der Landregierung Nordrhein-Westfalen dem Theater ermöglicht, seine Arbeit in gleicher Qualität und Vielfalt fortzusetzen. Wir danken allen, die an die- ser Lösung mitgewirkt haben.
Dass das Thema Geld auch die nächste Spielzeit bestimmt, ist unausweichlich und wir versuchen auf unsere Weise daraus Kapital zu schlagen: Ein aus Kostengründen abgeholzter „ Kirschgarten“, eine Weltwirtschaftskrise, die 1929 einen „ Knacks“ ins Leben bringt, ein durchdrehender Börsen-Guru, der über „ Gerechtes Geld“ philosophiert, das der „ Geizige“ seit 1668 versteckt hält – und eine geheimnisvolle
„ Unsichtbare Hand“, die den Markt zum Wohle aller steuert, bis „ Pinocchio“ allen eine lange Nase zeigt. Unsere Stücke und Projekte beleuchten unterschiedliche Aspekte der Ökonomie, die inzwischen den Status der Naturgesetzlichkeit für sich beansprucht, und machen auf je eigene Weise Gewinn- und Verlustrechnungen auf für den Einzelnen und das gesellschaftliche Zusammenleben.
In diesem Sinn wünsche ich Ihnen und uns eine intensive und ertragreiche Spielzeit 20010/11 und auch für die Zukunft viel Theater.
Ihr
Ulrich Greb – Intendant
