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Und jetzt sitzt er da herum und sagt seit zwei Tagen kein Wort. Nicht gerade h√∂flich. Pl√∂tzlich empfinden sie dein Nicht-K√∂nnen in erster Linie als etwas, was sich gegen sie richtet. Denn du konntest ja vorher. Dabei hast du vorher auch nie gekonnt, nur mit f√ľr die anderen unbekannter Anstrengung hast du gekonnt, anstrengend und aufwendig wie eine Fahrt zum Mars ‚Äď weil du w√ľsstest, anderes schafft noch viel grauenhaftere Probleme. Man will ja nicht alles verlieren dadurch, dass man sich so zeigt, wie man ist. (Unbekannter Autor)

Zwischen 12 und 17 % aller Menschen in Deutschland erkranken im Laufe ihres Lebens an Depression, seit Jahren steigt die Zahl. Trotzdem bleibt die Krankheit ein Tabu. Wer will schon zugeben, nicht mehr richtig zu funktionieren?

Der Soziologe Alain Ehrenberg nannte Depression eine Krankheit der Verantwortung gegen√ľber dem eigenen Ich. Die st√§ndige Forderung nach Kreativit√§t, Autonomie, Selbstst√§ndigkeit und Verantwortung stellt den Menschen in der modernen Gesellschaft vor die Aufgabe, um jeden Preis er selbst zu sein. Das Ich ist zur Gro√übaustelle geworden. Und manchmal reagieren der K√∂rper, die Seele, der Kopf mit R√ľckzug auf ganzer Linie, mit innerer Leere, Antriebsschw√§che und Ersch√∂pfung. Mit dem Ausfall ‚Äď raus aus der kreativ-dynamischen Gewinnmaximierungsgesellschaft, raus aus geistreichen Dialogen, raus aus ‚Ķ

Das Rechercheprojekt sucht in der Zusammenarbeit von Schauspielern und Betroffenen die Reibung des Themas mit den gesellschaftlichen Gegebenheiten und Ver√§nderungen des 21. Jahrhunderts und nimmt Menschen mit Depressionen als Teil eines gesellschaftlichen Ph√§nomens wahr.¬† ¬ĽUnder Cover¬ę gibt betroffenen Menschen eine √Ėffentlichkeit und setzt damit T√ľren in die Mauer des Tabus.

Im Anschluss an die Vorstellung gibt es die Möglichkeit zum Gespräch mit den Mitwirkenden.


Mit 
Tobias Bausch, Melanie Bovenschen, Volker Gedrath, Nina Gottschalk, Cornelia Graefen, Anika Gr√∂nke, Jana Isfort, Sabine J√ľngling, Marissa M√∂ller, Joachim Kunz (Musik), Bj√∂rn Nienhuys, Hannah Schmidt, Frank Wickermann

Inszenierung & Konzeption Barbara Wachendorff
B√ľhne & Kost√ľme¬†Christoph Rasche
Dramaturgie Nicole Nikutowski
Regieassistenz Stefan Eberle
Rechercheorganisation Judith Schäfer
Dramaturgiehospitanz Sarah Mooslehner
Regiepraktikum Luisa Esch

Premiere 30. November 2013, Altes Neues Rathaus
Auff√ľhrungsdauer 90 min, ohne Pause

 

 

 

 

 

 

 

Die Regisseurin Barbara Wachendorff besch√§ftigt sich seit 1996 in ihren Rechercheprojekten h√§ufig mit Menschen, die an den Rand der Gesellschaft gedr√§ngt wurden. Mit ihnen zusammen l√§sst sie einen B√ľhnenraum entstehen, der ihre Geschichten und Themen in den √∂ffentlichen Diskurs bringt. Ihre partizipatorischen Projekte wurden mehrfach ausgezeichnet. Im Schlosstheater Moers sind seit 2003 vier ihrer Arbeiten entstanden, u.a. ¬ĽIch muss gucken, ob ich noch da bin¬ę mit Menschen mit Demenz, 2006 f√ľr den deutschen Theaterpreis ¬ĽDer Faust¬ę im Bereich Regie nominiert und ¬ĽElefant im Raum¬ę mit an Krebs erkrankten Kindern und Jugendlichen, 2012 mit dem Preis ¬Ľfaktor kunst¬ę der Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft ausgezeichnet.

¬ĽUnder Cover¬ę wurde erm√∂glicht durch die F√∂rderung von